„Bruderländer DDR/CSSR“ Fotovortrag und Zeitzeugengespräch mit Siegfried Wittenburg

     

Die Menschen in der Deutschen Demokratischen Republik und der Tschechoslowakischen Sozialistischen Republik als unmittelbare Nachbarn verbanden nach dem Zweiten Weltkrieg fünf Gemeinsamkeiten: Beide waren sozialistische Staaten unter Moskauer Hoheit, beide wurden von kommunistischen Parteien regiert , beide waren vom westlichen Teil der Welt getrennt, beide unterlagen militärisch dem Warschauer Vertrag und in beiden Staaten herrschte eine ähnliche Mangelwirtschaft. Die Staaten dieser „Gemeinschaft“ bezeichneten sich als „Bruderländer“. Doch wie eng waren die menschlichen Beziehungen untereinander wirklich? Siegfried Wittenburg ist autodidaktischer Fotograf. In seinen Aufnahmen hielt der gebürtige Warnemünder den Alltag in der DDR fest. 1986 wurde er als Leiter des jugendlichen Fotoklubs "Konkret" entlassen, weil er sich einer Zensuraufforderung der SED widersetzte und sich auf die Seite der jungen Leute stellte. Dieser Haltung folgten heftige Auseinandersetzungen mit dem Machthaber. Seit 2014 berichtet Wittenburg in Zeitzeugengesprächen mit Schülern vom Leben in der DDR. Seine Studienreisen vor dem Mauerfall führten Wittenburg unter anderem in die Sowjetunion einschließlich Sibirien, der Volksrepubliken Polen, Ungarn und Bulgarien sowie der CSSR und der DDR. Er erzählt an diesem Abend in Bild und Wort von seinen zahlreichen Erlebnissen und Begegnungen in der CSSR, die in Wirklichkeit keine staatlichen Zusammenkünfte unter „Brüdern“ waren, sondern freie Begegnungen von jungen Menschen – die eben mit den genannten Gemeinsamkeiten leben mussten. Der Vortrag beginnt 1968, unmittelbar nach der Zerschlagung des Prager Frühlings. Seit 1978, bei einem Rundgang durch Cesky Krumlov, begann Wittenburg, sich mit der „heilen Welt der Diktatur“ kritisch-fotografisch auseinanderzusetzen. Er erzählt vom „sozialistischen Gang“ und erinnert authentisch an die Besetzung der Botschaft der Bundesrepublik Deutschland in Prag durch Flüchtlinge aus der DDR im Jahr 1989. Der Vortrag endet mit frischen Eindrücken aus Cesky Krumlov vom September 2019 und spannt somit einen Bogen über 40 Jahre hinweg zu den heutigen gesellschaftlichen Verhältnissen in der Tschechischen Republik und Deutschland nach dem Prozess der Transformation.

Montag, 11. November 2019 19:30 Uhr
Haus auf der Grenze
Platz der deutschen Einheit 1
36419 Geisa
Birgit Konrad
Organisation Gedenkstätte
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