Autorenleseung: Thedy van Goy - Die Wende: Die letzten 20 Jahre einer brüchigen Mauer

Der Zweck heiligt die Mittel? Der eine, Uli Winkler, würde das bedenkenlos unterschreiben: In der DDR der 1970er Jahre gibt es keinen Widerspruch, der sozialistische Arbeiter- und Bauernstaat muss gegen den kapitalistischen Westen verteidigt werden – zur Not auch mit Gewalt. Der andere, Michael Ivanov, tut sich da schon schwerer: Auch er verteidigt scheinbar die Werte des Ostens, doch in Wahrheit spielt er ein doppeltes Spiel: Als Agent der CIA ist es seine Aufgabe, unter dem Deckmantel eines Stasi-Agenten die Interessen des Westens zu schützen – mit ebenfalls nicht immer moralisch einwandfreien Methoden. Dass dies zunehmend zu Spannungen zwischen den beiden Agenten führt, wird Michael erst im letzten Moment klar, doch da ist es schon zu spät – aus ehemals besten Freunden werden erbitterte Feinde.
Soweit die Ausgangssituation dieses Agententhrillers, der zwei Jahrzehnte überspannt und gekonnt reale geschichtliche Hintergründe und Personen mit dem Leben zweier Agenten verknüpft, die es so in dieser Zeit eins zu eins gegeben haben könnte – oder vielleicht gegeben hat? Die bewegte Biographie des Autors lässt Mutmaßungen darüber entstehen, ob die Geschichte zweier rastloser Geister so fiktiv ist, wie man zunächst denkt…
Der Roman aus der Ära des Kalten Krieges spielt gekonnt mit dem Gedanken, warum die DDR zum Scheitern verurteilt war, wirft aber auch einen wichtigen Blick darauf, warum es diese Sicht der Dinge damals so noch nicht gegeben hat.

Donnerstag, 13. Februar 2020 18:30 Uhr bis 21:00 Uhr
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Birgit Konrad
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