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Tim Boltz erzählte Geschichten eines „Zonenrandkindes“

Er ist ein Zonenrandkind mit Leib und Seele. Rau und bodenständig, das Herz am rechten Fleck und den Schalk im Nacken: Literatur-Comedian Zeno Diegelmann unterhielt bei einer komödiantischen Lesung im ehemaligen US-Camp der Gedenkstätte Point Alpha. Der 45-Jährige trug unter dem Pseudonym Tim Boltz humorvolle Episoden aus seinem Roman „Zonenrandkind“ vor. Das Publikum war begeistert vom lebendigen Auftritt des Multitalents, zumal der Entertainer in kompakten Talksequenzen auch aus dem Nähkästchen plauderte.

Begrüßt wurden die Besucher vom neuen Geschäftsführer der Point Alpha Stiftung, Sebastian Leitsch, der sich bei Bürgermeister Jürgen Hahn für die wohlwollende Unterstützung der Point-Alpha-Gemeinde Rasdorf bedankte. Die Veranstaltung fand im Rahmen des Kultursommers Main-Kinzig-Fulda statt. Gefördert wird dieser vom Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst sowie unterstützt durch die Sparkassen-Kulturstiftung Hessen-Thüringen.

Das Buch von Tim Boltz spielt auf der hessischen Seite der innerdeutschen Grenze, an die die Gedenkstätte Point Alpha mit ihren Ausstellungen im Haus auf der Grenze und im ehemaligen US-Camp erinnert. Der Held seiner Geschichte ist Franky Breuning. Der ist gerade mitten in der Pubertät und verloren in einem kleinen Dorf zwischen Fulda und dem Eisernen Vorhang. Tim Boltz schildert die Herausforderungen im provinziellen Alltag eines Heranwachsenden bis zum Zeitpunkt des Mauerfalls mit Witz, einem Augenzwinkern und einer Portion Ironie. Als Meister des Wortspiels entpuppt sich Boltz‘, als er drei Reime aus seinen Lyrikbänden „Reime & Gedichte“ und „Noch mehr Reime & Gedichte“ vorträgt. Würde Heinz Erhard noch leben, er hätte seine helle Freude gehabt. Der gebürtige Künzeller kann also fast alles: schreiben, dichten, er ist schlagfertig und nimmt sich auch selbst auf die Schippe. So kommt ans Tageslicht, dass seine Bewerbung zur Wahl des „Bravo-Boys des Jahres“ und seine Tanz- und Gesangsversuche in einer Boy-Group wohl eher einer Selbstüberschätzung und jugendlichem Größenwahn geschuldet waren.

Aber wenn es ernst wird, ist der Künstler nachdenklich und bezieht klar Stellung. In seiner Wahlheimat Frankfurt treffe er doch schon öfter auf Leute, die gar nicht mehr wüssten, dass es eine Grenze gab. „Das ist bitter“, sagt er im Hinblick auf diese geschichtlichen Defizite. Und ebenso zur Situation der Kulturlandschaft in der harten Corona-Phase nimmt er kein Blatt vor den Mund: „Wir brauchen mehr Unterstützung, sonst geht die Kleinkunstszene den Bach runter“, und bringt dabei eine Art „Grundgehalt“ in die Diskussion. Momentan steckt Boltz viel Energie in sein neuestes Projekt. Gemeinsam mit Radost Bokel, bekannt als Darstellerin Momo in dem gleichnamigen Fernsehfilm, verfasst er ein Kinderbuch.