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70 Jahre Marshallplan

70 Jahre Marshallplan und seine Auswirkungen auf die Vereinigten Staaten von Amerika, Deutschland und Europa war Thema eine Abendveranstaltung in der Gedenkstätte Point Alpha, Haus an der Grenze. Leider war die sehr interessante Veranstaltung nur mäßig besucht. Eingeladen hatte die German – American Business an Cultural Association (GABACA) und die Point – Alpha Stiftung die beiden Historiker und Kenner amerikanischer Geschichte und kommunikativer Strategien Prof. Dr. Philipp Gassert und Peter Wellach (M.A.). Philipp Gassert, Inhaber des Lehrstuhls für Zeitgeschichte an der Universität Mannheim und Präsident der Deutschen Gesellschaft für Amerikastudien sah den Marshallplan aus dem Blickwinkel seiner grundlegenden Ziele und Maßnahmen und seinen lenkungspolitischen Auswirkungen. Nach dem Zweiten Weltkrieg habe die amerikanische Politik ein Umdenken weg vom Isolationismus hin zum Internationalismus vollzogen. US Außenminister George C. Marshall stellte seinen nach ihm benannten Plan, der auch als Europäisches Wiederaufbauprogramm - European Recovery Program (ERP) bekannt ist, im Jahre 1947 der amerikanischen Bevölkerung vor. Er habe an der Wirtschaft angesetzt, aber auch die Einführung demokratischer Strukturen im zerstörten Deutschland und Europa sowie die nachhaltige Zusammenarbeit zwischen den europäischen Staaten zum Ziel gehabt. Zudem habe er das Denken des Durchschnittsamerikaners in Hinblick auf Europa verändert. 13 Milliarden Dollar, die nach heutigen Maßstäben 130 Milliarden seien, seien als Kredite, Lebensmittel und Rohstoffe nach Europa geflossen. Westdeutschland habe ca. 1,4 Milliarden Dollar in Form von Warenlieferungen und Krediten, die die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) vergeben habe, bekommen. Peter Wellach, Historiker und Geschäftsführer des Ausstellungsbüros beier+wellach projekt, forscht über die kommunikativen Strategien und Maßnahmen des Marshallplanprogramms sowie die Einbindung des ERP in die Politik der US – Regierung, die Ausbreitung des Kommunismus und Stalinismus zu verhindern (Containment – Politik). Auch das Inkrafttreten des Nordatlantikpaktes im April 1949 sei als sicherheitspolitischer Bestandteil der Containment-Politik zu sehen. Peter Wellach veranschaulichte an verschiedenen Beispielen wie dem Marshallplan – Zug und Meinungsumfragen, dass eine erfolgreiche Arbeit in der Öffentlichkeitsarbeit , Public Relations – PR, begründet ist. Man müsse in den Köpfen anfangen, so der Referent. Der Marshallplan sei unbestritten eine der größten und erfolgreichsten PR – Maßnahmen gewesen. Heute werde der Marshallplan aber kritisch betrachtet. Bereits Ludwig Erhard habe in seinem Buch „Wohlstand für alle“ kaum ableitbare Regeln für sein Konzept der sozialen Marktwirtschaft gesehen. In der anschließenden Diskussionsrunde war eine bemerkenswerte Aussage, dass die Politik des jetzigen US – Präsidenten Donald Trump eine Abkehr von den Ideen des Marshallplans zurück zum Isolationismus sei, deren Folgen noch nicht abzusehen seien, sollte Trump eine zweite Amtsperiode regieren können. Zu Beginn der Veranstaltung hatte Dr. Eberhard Fennel, Vorstand der Point Alpha – Stiftung begrüßt und Renate Stieber, GABACA, in Abwesenheit gedankt, dass die Veranstaltung möglich wurde. Einführende Worte sprach Danny Chahbouni, wissenschaftlicher Mitarbeiter und Organisator der Point – Alpha – Stiftung.

Foto: Winfried Möller, Rasdorf, wim Prof Dr. Philipp Gassert (links) und Peter Wellach (Mitte) waren kompetente Kenner des Marshallplans und seiner Geschichte. Eingeführt hatte wissenschaftlicher Mitarbeiter Danny Chahbouni (stehend rechts) von der Point – Alpha -Stiftung