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"USA vor der Wahl" - Gute Premiere für das neue Format

veröffentlicht am 31.10.2020

Egal, ob nun Amtsinhaber Donald Trump oder sein Herausforderer Joe Biden die US-Präsidentenwahl am 3. November gewinnt - die „guten alten Zeiten“ der transatlantischen Beziehungen kommen nicht wieder zurück. Diese Prophezeiung wagten Professor Dr. Thomas Jäger und Dr. Marcus Müller bei einem Diskussionsabend der Point Alpha Stiftung unter Leitung von Moderator Werner Schlierike. Aufgrund der Covid-19-Situation fand der Talk erstmals im Internet statt, und zwar in Kooperation mit der Hermann-Flach-Stiftung und der Friedrich Naumann Stiftung.

Die Entwicklung des transatlantischen Verhältnisses könnte schwieriger nicht sein: Ob Streitigkeiten über den Außenhandel, Strafzölle gegen deutsche Automarken, die öffentliche Brüskierung von NATO-Verbündeten, das Projekt "Nord Stream 2" oder der Ausstieg aus dem Klimaschutzabkommen: Die USA haben damit begonnen ihre Interessen, ihr Engagement und ihre Beziehungen auf ganzer Linie neu zu ordnen. Und das nicht erst seit dem Amtsantritt von Trump wie so mancher Zeitgenosse glaubt.  Der 45. Präsident der USA formuliert das „America first“ nur schärfer und unverblümter, treibt es weiter voran. Auch unter Biden sei diesbezüglich – bis vielleicht auf die Tonalität - keine Kehrtwendung zu erwarten.

„Zwar werde die Gemeinschaft auf absehbare Zeit durch Handel, Ideologie und der Haltung zu demokratischen Werten, Menschenrechten und eine liberale Weltordnung weiter existieren, doch wie lange noch?“, fragt sich Müller, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Internationale Beziehungen/Außenpolitik an der TU Kaiserslautern.  Den miserablen Zustand der transatlantischen Verbindung laden die beiden Referenten aber nicht nur in Amerika ab, sondern identifizieren erhebliche Defizite bei der Europäischen Gemeinschaft.

„Die USA haben zum Beispiel mit sinnlosen Kriegen Fehler gemacht. Aber auch Europa bringt überhaupt nichts auf den Tisch“, analysiert Jäger, Politikwissenschaftler an der Universität Köln, schonungslos.  Europa müsse sich organisieren und mit einer Stimme sprechen, sonst sei sie nicht mehr als ein Schein-Riese. Ob im Nahost-Konflikt, im Auftreten gegenüber China oder Russland, ständig hin und her zu lavieren oder sich rauszuhalten, werde in Zukunft nicht mehr funktionieren. Europa muss eine klare Haltung bei diesen Themen einnehmen und mit einer Stimme sprechen, um mit den USA im Geschäft zu bleiben.

Die USA werden auf der Weltbühne eine andere Rolle einnehmen, und auch die transatlantische Brücke wird einige Stürme überstehen müssen. Und ob dieses Bauwerk tragfähig bleibe, liege vor allem in den Händen der Europäischen Union, sind sich die beiden Experten einig.

Die Einleitung zum Web-Talk hatten Cornelia Els, Programmleiterin Rheinland-Pfalz der Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, sowie Arndt Macheledt, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Point Alpha Stiftung, übernommen. Macheledt wie auch die Organisatoren der Friedrich-Naumann-Stiftung zeigten sich im Nachgang von der Premiere des neuen Formates zufrieden. „Es waren 70 Personen virtuell dabei und haben die Möglichkeit genutzt, Fragen zu stellen. Dieses neue Format ist eine Bereicherung für die vielfältigen Bildungsangebot der Point Alpha Stiftung, auch über die Region hinaus. Sicherlich werden digitale Veranstaltung künftig ein fester Bestandteil unserer Arbeit,“ so Macheledt.