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Rückschau 15.10.: Gedichte, Prosa, Erinnerungen und Musik von Gerhard Bause und Stephan Krawczyk

veröffentlicht am 18.10.2019

Text und Fotos von  Winfried Möller

Eine Abendveranstaltung mit Tiefgang erlebten die Zuhörerinnen und Zuhörer im Blauen Haus auf der Grenze. Die Gedichte und Prosatexte von Gerhard Bause (58) und die Vertonung eines Teils dieser Gedichte sowie der erlebten Wirklichkeit durch Liedermacher Stephan Krawczyk (64) machten betroffen und hinterließen einen nachhaltigen  Eindruck.

Eine beeindruckende Buchvorstellung mit Musik boten ( v.l.n.r.) Liedermacher Stephan Krawczyk und Autor Gerhard Bause (Foto: Winfried Möller)

Gerhard Bause wurde am 29. Februar 1988 wegen einer Protesterklärung, die er mit Jürgen Weber und Rolf Herkelmann sowie weiteren 36 Eichsfeldern verfasst hatte, ebenso wie seine Frau Dorit verhaftet, verurteilt und inhaftiert. Nach dem Untersuchungsgefängnis Andreasstraße in Erfurt saß er in den Strafanstalten Cottbus und Karl-Marx-Stadt, heute Chemnitz und dem Gefängnis der Staatssicherheit Bautzen II bis zum 14. November 1989 ein. Trotz Grenzöffnung musste er nach seiner Amnestie binnen 48 Stunden die DDR verlassen und wurde ausgebürgert. Er sei aus einer dunsterfüllten DDR-Welt in eine Lichtwelt gekommen, die er gleichermaßen bedrohlich empfunden habe, so der Autor. Das Erinnerungsbuch  aus Gedichten und Prosatexten „Ohne Ruhe rollt das Meer“ hat Gerhard Bause in die Kapitel „Nach der Haft; Was lange gärt, wird endlich Wut; Geraubt Zeit und Jetzt und Hier“ untergliedert. An Hand der vorgetragenen Texte erlebten die Zuhörerinnen und Zuhörer den physischen und psychischen Terror, dem Inhaftierte in der DDR ausgesetzt waren, den Versuch der Zersetzung und die Willkür ebenso mit, wie das Schuldgefühl von Gerhard Bause über die Mitinhaftierung seiner Frau Dorit. Zuerst verhaftet musste er aus dem Auto, bewacht von zwei Stasi-Leuten in Zivil, mit ansehen, wie seiner Frau Handschellen angelegt wurden. Gedichte und Texte seien nicht nur eine persönliche Erinnerung, sondern er wolle damit auch an die Willkür der DDR – Diktatur erinnern, ganz nach dem 11. Gebot von Freya Klier „ Du sollst dich erinnern“. So stimmte bereits das erste Gedicht „Der AugenBlick“ mit dem Text „Ich schreie mit Augen die lachen, damit du denkst ich sei glücklich“ auf das kommende ein.

Liedermacher Stephan Krawczyk, der von Dorit Bause erfahren hatte, dass ihr Mann Gedichte schrieb, tat sich mit diesem zusammen. Er, selbst einer der bedeutendsten  DDR-Oppositionellen der späten Achtziger Jahre, war bereits im Februar 1988 mit seiner damaligen Ehefrau Freya Klier in die Bundesrepublik abgeschoben worden. Liedvortrag und Musik, unterstützt von projizierten Grafiken von Matthias Seifert (41), Weimar, gaben den von Gerhard Bause vorgetragenen Inhalte zusätzliches emotionales Gewicht. So bei „Der Schattenmann“, Gedicht und Musik über den DDR-Kirchenanwalt Wolfgang Schnur, der nach der Wende als Stasispitzel enttarnt wurde. „Erinnerungen“ drückte „den im Herzen wütenden Orkan aus, der richtig weh tut“. „Beton und Gras“ ist der friedlichen Revolution 1989 gewidmet, was gut zu 30 Jahre Mauerfall passt. Gerhard Bause habe den Nerv getroffen. Sein Schicksal sei eines von Tausenden, so Klaus Tiller, Zeitzeuge und ehemaliger Caritasgeschäftsführer aus Geisa. Die Musik habe die Texte sehr gut verstärkt und sei damit in doppelter Weise ein Kunstgenuss. Die künstlerische Bearbeitung von Zeitzeugenberichten müsse Bestandteil des Geschichtsuntersicht werden. Dass Texte und Musik stimmig waren, bestätigte auch Karl Sauerbier, Großentaft. Er bedauerte, dass der Vortragssaal nur halb gefüllt war und war mit Christoph Jordan aus Fulda der Meinung, dass Gerhard Bause und Stephan Krawczyk mehr Resonanz verdient gehabt hätten.

Zu Beginn und am Schluss der Veranstaltung, zu der die Thüringische Landeszentrale für politische Bildung und der Point-Alpha-Stiftung eingeladen hatten, sprach Christian Curschmann, Point-Alpha-Stiftung.

 

Buch: Gerhard Bause: Ohne Ruhe rollt das Meer, Gedichte und Erinnerungen, ARTE FAKT Verlagsanstalt, 20 Euro