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„Keine Blockflöten, aber schweigende Mitläufer“ - Die Rolle der Ost CDU

veröffentlicht am 11.03.2020

Die Thüringer CDU befindet sich aktuell in turbulenten Zeiten. Aber als gäbe es nicht schon genug zu tun, gilt es nun auch die Rolle der Partei in der sozialistischen Vergangenheit aufzuarbeiten. Blockpartei und/oder Blockflöten? Auf großes Interesse stieß die Vorstellung des Buches von Dr. Bertram Triebel zur Thüringer CDU in der SBZ/DDR „Blockpartei mit Eigeninteresse“ bei der Point Alpha Stiftung.

Vor gut 100 Besuchern im Haus auf der Grenze hat der Historiker Dr. Bertram Triebel mit dem Zeitzeugen Dr. Hans-Peter Häfner, CDU-Mitglied seit 1972, über die Geschichte der Partei zwischen 1945 und 1990 gesprochen. Im Mittelpunkt der Diskussion, die der Journalist und Historiker Dr. Jan Schönfelder vom MDR moderierte, stand die Phase als Blockpartei an der Seite der SED von Mitte der 1950er Jahre bis Mitte der 1980er Jahre. Für den Vorstand der Point Alpha Stiftung hatte zu Beginn Berthold Jost die Besucher begrüßt, darunter Steven Bickel, der den Kooperationspartner, das Politische Bildungsforum Thüringen in der Konrad-Adenauer-Stiftung, vertrat.

Bereits früh in der Gründungszeit wurde die Ost-CDU in der Führungsetage von der sowjetischen Besatzungsmacht und der SED auf sozialistischen Kurs getrimmt. Wer nicht spurte, wurde bestochen, bespitzelt oder terrorisiert, wer eine eigene Meinung hatte einfach abgesetzt oder ausgeschlossen. „So wurde die CDU schnell zu einer Blockpartei geformt“, erzählt der Häfner. Der Vachaer war stellvertretender Bürgermeister, saß als Abgeordneter in der frei gewählten Volkskammer und dann im Thüringer Landtag.

Aber Blockflöten? „Nein“. Diese Diffamierung kann der 82-Jährige nicht mehr hören. „Auf jeden Fall gilt das nicht für die einfachen Mitglieder. Wir wussten von nichts, hatten nichts zu melden und der Parteialltag eines Ortsverbandes pendelte im Grunde genommen nur zwischen Arbeitseinsätzen und Weihnachtsfeiern. „Und wenn die wenigen Mutigen Kritik am Führungsanspruch der SED wagten, wurde es ungemütlich oder man machte Bekanntschaft mit der Stasi.“

Natürlich war die CDU unter diesen Umständen eine Stütze des Systems, räumt Häfner ein. „Wir waren keine Widerstandskämpfer. Wir waren schweigende Mitläufer“.  Veränderungen in der CDU sind dann erst am 6. September 1989 auszumachen mit dem „Brief aus Weimar“, in dem dortige Parteikollegen erstmals zu umfassenden Reformen aufrufen. Eine Aufgabe der CDU, so Triebel, sei es damals gewesen, christliche Staatsbürger ans Systems zu binden. Allerdings müsse man das Verhältnis beider Kirchen zur Partei wohl noch genau unter die Lupe nehmen. Im Verlaufe des Gesprächs wurden schließlich noch weitere politische Aspekte auch in Einbeziehung des Publikums erörtert.

 

Eine unabhängige Historikerkommission hatte die Geschichte der CDU in Thüringen und in den Bezirken Erfurt, Suhl und Gera von 1945 bis 1990 in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und der DDR untersucht. Berufen hatte die Kommission der Landesverband der CDU Thüringen, auch um ein Beispiel dafür zu geben, wie die kritische Auseinandersetzung mit der eigenen Geschichte auf einem soliden wissenschaftlichen Fundament möglich ist. Der Historiker Triebel hat die Geschichte der Thüringer CDU über die erzwungene Transformation zur mindermächtigen Blockpartei, ihre Rolle im Herrschaftsgefüge der SED und in der Friedlichen Revolution untersucht. Triebel ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Zu seinen Forschungsschwerpunkten gehört die Geschichte Deutschlands seit 1945.

Sein 220 Seiten starkes Buch „Die Thüringer CDU in der SBZ/DDR – Blockpartei mit Eigeninteresse“ können Interessierte gratis bestellen bei der Konrad-Adenauer-Stiftung, Klingelhöferstraße 23, 10785 Berlin. Als PDF-Dokument kann man sich die Studie im Internet über den Link bit.ly/39se2mw runterladen.

 

Zu den Bildern:

1: von links: Dr. Häfner, der Moderator und der Autor Dr. Triebel.

2: von links: Steven Bickel (Konrad-Adenauer-Stiftung), Roman Smorlorz (Wissenschaftlicher Leiter Point Alpha), der Historiker Dr. Bertram Triebel, Arndt Machelet /Wissenschaftlicher Mitarbeiter Point Alpha), Dr. Hans-Peter Häfner (CDU-Politiker) und Berthold Jost (Vorstand Point Alpha).

3: Das interessierte Publikum im Haus auf der Grenze.

4: Steven Bickel von der Konrad-Adenauer-Stiftung.

5: Das Buch von Dr. Triebel.
 

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