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Jazz & Blues auf Point Alpha / Uschi Brüning und Engerling live

veröffentlicht am 11.09.2018

Am 8. September, am Vorabend des "Tags des offenen Denkmals" und anlässlich des 10-jährigen Bestehens der Point Alpha Stiftung, wurde der ehemalige Beobachtungsposten der Amerikaner "Point Alpha" zur Konzertlocation. Geladen waren die Ost-Berliner Blues-Veteranen Engerling und die renommierte Jazz-Sängerin Uschi Brüning. Sie gilt schon lange als eine der führenden Jazz-Sängerinnen Ostdeutschlands, die schon in den 1970er Jahren mit Größen wie Manfred Krug oder Günther Fischer auftrat. Lange Zeit tourte sie mit ihrer eigenen Band "Uschi Brüning & Co." durch den Osten Deutschlands, arbeitete aber auch mit internationalen Jazzmusikern zusammen. Seit dem Jahr 2000 tritt Brüning zudem mit den 1975 in Berlin gegründeten Engerling auf. Nach einer Begrüßung von Berthold Jost, Mitglied des Vorstandes der Point Alpha Stiftung, präsentierten sich zunächst Engerling mit ihrem Repertoire im ehemaligen US Camp. Die versierte Blues-Band  spielte Standards wie "Little Red Rooster", eigene Klassikern ("Da hilft kein Jammern",  aber auch Adaptionen, wie Bob Dylans "The times they are a changin'", welches zum Ende der DDR von Engerling zu "Es kommen andere Zeiten" umgewandelt wurde.  Nach einem ausgiebigen ersten Set, betrat mit einsetzender Dunkelheit Uschi Brüning mit ihrem Saxophonisten Helmut Fischer die Bühne, während Engerling die Position der Backing Band übernahm. Brüning und Band vermochten das Publikum mit leichten und loungigen Jazzinterpretationen zu begeistern, wobei besonders die klare Stimme Brünings beeindrucken konnte. Gespielt wurde eine ausgewogene Melange aus Titeln, wie "Exactly Like You", "Tagtraum", der Beatles Interpretation "And I Love Her (Him)", der Petrowski-Komposition "Soul Plexus" oder "Zigeuner Junge". Verschiedene Konzertbesucher nutzten die Gelegenheit, um zur späten Stunde die Ausstellungen und das Gelände mit jazziger Untermalung und abendlicher Atmosphäre zu erkunden.

Schon am Tag zuvor wurde das Konzert eingeleitet durch den Dokumentarfilm „Die Stimme Amerikas. US-Musik in der DDR“, der sich mit dem  Einfluss US-amerikanischer Musik auf das Leben in der DDR befasst. Der Filmemacher und Musikwissenschaftler Dr. Michael Rauhut erläuterte zuvor seine Intention. Er unterstrich die Wahrnehmung amerikanischer Musik durch die Bürger der DDR als etwas sehr Kostbares und schwer zu Erreichendes. Für Rauhut selbst, war vor allem das Wirken der US-Sängerin Etta Cameron eine starke Inspiration für seine Dokumentation. Der Film fokussiert sich vor allem auf das Wirken afro-amerikanischer Jazz- und Blues-Musiker in der DDR, ob nun Cameron, Armstrong oder Robeson, beleuchtete aber auch ihre Instrumentalisierung durch die SED und ihre Vorbildfunktion für die Bürger der DDR. Damit zeigt der Film einen nicht zu unterschätzenden Ausschnitt des Alltags der DDR-Bürger und ihres Strebens nach persönlicher Entfaltung abseits der Vorgaben des SED-Regimes.

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