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Wolf Biermann mit Point-Alpha-Preis ausgezeichnet

Kuratorium Deutsche Einheit ehrt Liedermacher und ehemaligen DDR-Dissidenten  
 
Rasdorf/Geisa. Das Kuratorium Deutsche Einheit verlieh Wolf Biermann am 17. Juni 2017 den PointAlpha-Preis für die Verdienste um die Einheit Deutschlands und Europas in Frieden und Freiheit.
Die Ausbürgerung von Wolf Biermann aus der DDR im November 1976 lag im vergangenen Jahr 40 Jahre zurück. Sie war eines der prägendsten Ereignisse für die DDR-Opposition und Initialzündung für eine zunehmend offene Kritik am SED-Regime.

In ihrem Grußwort erinnerte Christine Lieberknecht, Ministerpräsidentin des Freistaats Thüringen a.D. und Präsidentin des Kuratoriums Deutsche Einheit, an die Folgen der Ausbürgerung Biermanns, welche den „Beginn der immer offenkundiger werdenden Erosion des DDR-Systems in Bereich von Kunst, Kultur, Wissenschaft und Unterhaltung markierte.“ Biermann habe mit seiner Unbeugsamkeit und Konsequenz ein Signal zur Ermutigung unglaublich vieler Menschen setzen können, so Lieberknecht. Damit sei Wolf Biermann auch ein Wegbereiter der Deutschen Einheit gewesen und stehe daher in einer Reihe mit den bisherigen Trägern des Point-Alpha-Preises wie Helmut Kohl, der am gestrigen Freitag, den 16. Juni im Alter von 87 Jahren verstarb und den die Präsidentin des Kuratoriums als großen Patrioten und leidenschaftlichen Europäer mit einer Schweigeminute würdigte.
Bundestagspräsident Professor Dr. Norbert Lammert betonte in seiner Laudatio den außergewöhnlichen Lebensweg Biermanns, dessen Biographie exemplarisch für die Erfahrung von Trennung, Teilung und Einheit; von Zerrissenheit, von Niederlagen und Triumphen stehe. Dazu gehörte die mit der Hoffnung auf ein besseres Deutschland verbundene Umsiedlung in die DDR 1953, aber auch das Ende dieser Illusion; die Überwachung durch die Staatssicherheit, das Auftrittsverbot und schließlich die Ausbürgerung im November 1976, so Lammert. Die Ausbürgerung sei eine „fatale, falsche Schlüsselentscheidung des DDR-Regimes mit einer fulminant gegenteiligen Wirkung“ gewesen. Hervor hob der Bundestagspräsident zudem die Streitbarkeit Biermanns, der die Begabung habe, alle gleichzeitig gegen sich aufzubringen. Die Bereitschaft Wolf Biermanns „stets unbequem zu sein“ war nicht nur in der DDR wichtig, sondern müsse auch mit Blick auf aktuelle Debatten geschätzt werden. „Eine Demokratie braucht Widerspruch und zwar dann am meisten, wenn sie am sichersten glaubt, darauf verzichten zu können. Wolf Biermann steht für diesen Widerspruch.“, so Norbert Lammert, der zudem aus Anlass der 10. Verleihung des Point-Alpha-Preises die Bedeutung des Preises für die Erinnerung an die Zeit der Teilung und die Überwindung dieser Teilung in Deutschland und Europa hervorhob.
 
In seiner musikalischen Erwiderung dankte der Preisträger dem Kuratorium Deutsche Einheit. Offen gab Biermann zu, dass gerade die Erfahrung der Ermordung seines jüdischen Vaters durch die Nazis dafür sorgte, dass er in besonderer Weise gegen die herrschende Partei in der DDR Widerspruch wagte: „Sie hofften, dass ich zur Vernunft komme – zu ihrer Vernunft, denn eine andere hatten sie nicht“.  
Im Anschluss spielte Biermann Lieder und Gedichte, in denen er seine Erfahrungen in und mit der SED-Diktatur thematisierte. Hierzu gehörte u.a. sein Stück  „Kleines Lied von den bleibenden Werten“, in dem er auf sehr persönliche Art seine Bedrückung nach der Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 zum Ausdruck brachte. Etwa 1000 Besucherinnen und Besucher folgten den vielfältigen und emotionalen Stücken, in denen Biermann immer wieder auch seine persönlichen und politischen Enttäuschungen verarbeitete.

Der Point-Alpha-Preis ist mit 25.000 Euro dotiert und wurde erstmalig im Jahre 2005 an den Altbundeskanzler a. D. Dr. Helmut Kohl, den US-Präsidenten a. D. George Bush Sen. und den ehemaligen Staatspräsidenten der Sowjetunion, Michail Gorbatschow, verliehen.