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Point-Alpha-Preis 2013


Point-Alpha-Preis 2013 ging an Lech Wałęsa, Foto: Bartosz Loba

Am 16. Juni 2013 wurde im ehemaligen US-Camp Point Alpha zwischen Geisa und Rasdorf an der thüringisch-hessischen Grenze der Point-Alpha-Preis 2013 verliehen.
Neben der Thüringer Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht hielt für Hessen Jörg-Uwe Hahn, Hessischer Minister für Justiz, für Integration und Europa sowie stellvertretender Ministerpräsident und seit 2006 Landesvorsitzender der hessischen FDP, eine Begrüßungsansprache. Bundestagspräsident Dr. Norbert Lammert hielt die Laudatio auf den Preisträger und würdigte dessen historischen Verdienst für Freiheit und Demokratie als eine wesentliche Grundlage für ein gemeinsames friedliches Europa in Gegenwart und Zukunft. Den historischen Triumph der europäischen Geschichte, so Lammert, verdanken wir ausschließlich der Entschlossenheit von Menschen, die die damaligen Ergebnisse der Geschichte nicht als letztes Wort akzeptierten.
Besondere Ehre wurde daher den deutschen und polnischen Zeitzeugen zu Teil. Ministerpräsidentin Christine Lieberknecht dankte den Brüdern Hobrack aus Jena und Günter Döhring aus Blankensee bei Berlin sowie den polnischen Zeitzeugen Aleksandra Banasiak und Ryszard Biniak aus Poznań ausdrücklich für Ihr Kommen und würdigte in Ihrer Rede den Mut der Akteure gegen die kommunistischen Regime in der DDR 1953 und Polen 1956, 1970 und 1980/81. "Weltgeschichte wird nicht allein von Diplomaten gemacht. Es sind die Menschen, die Veränderungen möglich machen oder auch erzwingen. Ihre moralische Kraft, Ihr Durchhaltevermögen, Ihr Glaube daran, dass der Glaube Berge versetzen kann, zwang zunächst das polnische Regime zu Zugeständnissen und am Ende den Kommunismus in die Knie.", so die Ministerpräsidentin.
Lech Wałęsa berichtete in seiner Erwiderung von den Schwierigkeiten, den Koloss der kommunistischen Übermacht zu bezwingen, aber auch vom festen Glauben und Willen der polnischen Arbeiter, dass dies gelingen würde entgegen aller Prognosen führender nationaler wie internationaler Politiker der damaligen Zeit. Gorbatschows Glasnost und Perestroika seien der Anfang vom endgültigen Ende gewesen, denn eine Reformierbarkeit des Kommunismus sei unvorstellbar gewesen. Man habe mit der erfolgreichen Gründung der Solidarność auch dem sowjetischen Bären die Zähne ausgebrochen, scherzte er. Die heutigen Herausforderungen seien deshalb aber nicht kleiner, denn der europaweite Protest gegen den Kapitalismus zeige, dass die normalen und benachteiligten Menschen in einem gemeinsamen Europa mitgenommen werden müssten. Anderenfalls verwirke der Kapitalismus zwar nicht seine Grundlagen, Privateigentum und persönliche Freiheit, der moralische Anspruch, der sich mit Demokratie in Europa heute verbinde, ginge aber so womöglich verloren. Lech Wałęsa fordert deshalb ein Europa der Werte (Hünfelder Zeitung vom 17. Juni 2013).