Point-Alpha-Preis 2016

Richard Schröder mit dem Point-Alpha-Preis 2016 ausgezeichnet

Kuratorium Deutsche Einheit ehrt den Theologen und Bürgerrechtler Prof. Dr. Richard Schröder

Das Kuratorium Deutsche Einheit verlieh Professor Dr. Richard Schröder am Sonntag, den 19. Juni 2016, den Point-Alpha-Preis für Verdienste um die Einheit Deutschlands und Europas in Frieden und Freiheit. Das Kuratorium würdigte den Theologen und Bürgerrechtler als hoch verdienten und aufrechten Patrioten, als wichtigen Akteur der Friedlichen Revolution des Herbstes 1989 und als einen Wegbereiter des deutschen Einigungsprozesses im Jahre 1990.

Richard Schröder gehörte der im März 1990 frei gewählten Volkskammer an und bereitete als Vorsitzender der SPD-Fraktion die entscheidenden Schritte des Einigungsprozesses vor – die Verhandlungen zur Wirtschafts- und Sozialunion, die Möglichkeit des Beitritts der DDR zum Geltungsbereich der Bundesrepublik nach Art 23 Grundgesetz sowie die Aushandlung des Einigungsvertrags, der am 03. Oktober 1990 in Kraft trat. Christine Lieberknecht, Ministerpräsidentin des Freistaats Thüringen a.D. und Präsidentin des Kuratoriums Deutsche Einheit, würdigte Richard Schröder als Impuls- und Ideengeber für die Einheit Deutschlands und Europas bis zum heutigen Tage. In vielen Verhandlungsfragen habe Schröder über alle Parteigrenzen hinweg Haltung bewahrt, so Lieberknecht.

Dr. Wolfgang Clement, ehemaliger Ministerpräsident Nordrhein-Westfalens und Bundesminister a.D., erinnerte in seiner Laudatio an das Erfordernis einer Zweidrittelmehrheit in der DDR-Volkskammer für die Zustimmung zum Einigungsvertrag. Für diese Mehrheit und die Ergebnisse der Verhandlungen mit den westdeutschen Kollegen habe Richard Schröder als führender Vertreter der ostdeutschen Sozialdemokratie entscheidend beigetragen. Auch nach der Wiedervereinigung und bis in die Gegenwart sei Richard Schröder mit seinen Diskussionsbeiträgen und Veröffentlichungen ein Gewinn für Deutschland. „Sein umfassendes Wissen und seine Erfahrung in Ost und West, in Kirche, Wissenschaft und Politik machen ihn zu einem herausragenden Repräsentanten unseres gemeinsamen Deutschland“, so Clement.

In seiner Erwiderung bewegten Prof. Dr. Richard Schröder die aktuellen Entwicklungen und gesellschaftlichen Herausforderungen der Pegida-Bewegung und der Partei „Alternative für

Deutschland“. Er mahnte die Politik, Wissenschaft und Gesellschaft, die argumentative Auseinandersetzung mit diesen Entwicklungen und politischen Strömungen nicht abreißen zu lassen. Insbesondere vermutete Schröder einen eklatanten Mangel der politischen Bildung nicht nur in Ostdeutschland. Es reiche nicht aus, auf den bloßen Gegensatz von Diktatur und Demokratie einzugehen und aus den Wirkungsweisen der Diktatur den Wert von Freiheit und Demokratie zu erkennen. So zeige sich in den aktuellen Entwicklungen sehr deutlich, dass es keineswegs unumstritten sei, was unter Demokratie zu verstehen sei und wie der bestmögliche Gebrauch der Freiheit aussehe. Dieser Dialog und Aushandlungsprozess bleibe eine der wesentlichen gesellschaftlichen Herausforderungen, so der Preisträger.

Der Point-Alpha-Preis ist mit 25.000 Euro dotiert. Die Preisverleihung wird insbesondere ermöglicht durch die Unterstützung der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Der Point-Alpha-Preis wurde erstmalig im Jahre 2005 an den Altbundeskanzler a. D. Dr. Helmut Kohl, den US-Präsidenten a. D. George Bush Sen. und den ehemaligen Staatspräsidenten der Sowjetunion, Michail Gorbatschow, verliehen.