17. Januar 1988: Ein Glanzpunkt des Widerstandes und des patriotischen Aufbegehrens in der DDR

veröffentlicht am 15.01.2018

Geisa. Was am 9. November 1989 zu Mauerfall und in  unmittelbarer Folge auch zur Öffnung der innerdeutschen Grenze führte, nahm seinen Anfang bereits am 17. Januar 1988 - vor nunmehr 30 Jahren. Es waren  Oppositionelle und Ausreisewillige, die mit einer spektakulären und weit über die Grenzen Deutschlands hinaus beachteten Aktion anlässlich der traditionellen Liebknecht/Luxemburg-Gedenkfeier der SED auf dem „Friedhof der Sozialisten“ in Berlin-Friedrichsfelde den Untergang der DDR einleiteten.

Mit einer öffentlichen Erklärung zum denkwürdigen Tage erinnert die Point Alpha Stiftung an dieses historisch bedeutende Ereignis auf dem Weg zur Deutschen Einheit und würdigt Mut und Entschlossenheit der damaligen Akteure. Für enormes Aufsehen sorgte dabei vor allem das von Freya Klier initiierte Transparent der Oppositionellen mit dem Rosa-Luxemburg-Zitat „Freiheit ist immer auch die Freiheit der Andersdenkenden“.

Die im Vorfeld an die Stasi verratene Aktion der Bürgerrechtler sorgte für einen massiven Einsatz der sogenannten „staatlichen Organe der DDR“, in dessen Verlauf rund 100 Protestierende verhaftet und mit Strafverfahren bedroht wurden - die wohl größte Massenverhaftung in der vor 27 Jahren untergegangenen DDR durch die Stasi.

Mit dem brutalen Vorgehen des Staatsapparates sollten zum einen die sogenannten Ausreiseantragsteller getroffen werden, die sich im September 1987 zur „AG Staatsbürgerschaftsrecht DDR“ zusammengefunden hatten. Zum anderen wollte man  „die Opposition  enthaupten“, indem prominente Köpfe wie  Bärbel Bohley, Wolfgang Templin, Ralph Hirsch, Vera Wollenberger, Werner Fischer, sowie die Künstler Freya Klier und Stephan Krawczyk kriminalisiert wurden“, wie sich der Mitbegründer und Sprecher der AG, der später ausgebürgerte Regisseur Günter Jeschonnek erinnert. Doch angesichts der Proteste in der DDR selbst, der Positionierung der Evangelischen Kirche, der Bundesregierung und der Medienberichterstattung hätten SED und Stasi Kompromisse eingehen und von der harten Linie abweichen müssen. Im Nachhinein hätten sich die Proteste „sogar als eine Art Generalprobe für das Protestjahr 1989“ erwiesen, so Jeschonnek. 

Der Vorsitzende des Point Alpha-Stiftungsrates, der Fuldaer Oberbürgermeister Dr. Heiko Wingenfeld, erklärte anlässlich des 30. Jahrestages dieser Massenverhaftungswelle wörtlich: „Das aufrechte und bewunderungswürdige Aufbegehren der DDR-Oppositionellen an jedem 17. Januar  erfüllt uns auch heute noch mit tiefem Respekt und Dankbarkeit. Wir dürfen für alle Zeiten mit Recht stolz sein auf ihr ganz und gar vorbildliches patriotischen Vorgehen.“ Die Point Alpha Stiftung werde Sorge dafür tragen, dass  ihr mutiges Wirken für Einheit und Freiheit und gegen den SED-Unrechts- und Unterdrückungsapparat in der DDR niemals in Vergessenheit gerate. Die Aktion vom 17. Januar 1988 zähle zweifelsohne zu den Glanzpunkten des Widerstandes der Menschen im Osten Deutschlands.