Geschichte

Geschichte des Fördervereins Point Alpha

Herbst 1989: Friedliche Revolution in der DDR. Mit Kerzen, Gebeten und Demonstrationen brachten die Bürger die SED-Regierung und die nahezu unüberwindbare innerdeutsche Grenze zu Fall. Der Kalte Krieg war in Deutschland  zu Ende. Die amerikanischen Soldaten des 11. ACR, stationiert im Beobachtungsposten Alpha zwischen dem hessischen Rasdorf und dem thüringischen Geisa,  fuhren am 31. März 1990 ihre letzte offizielle Grenzpatrouille. Ihre Präsenz am löchrig gewordenen „Eisernen Vorhang“ war nicht mehr nötig. Im Verlauf des Jahres 1991 räumte die US-Army Point Alpha und übergab das Gelände an das Bundesvermögensamt.
Einige Künstler, unter anderem Josef Knecht, hatten bereits im Jahr 1987 ihre Idee öffentlich gemacht, einen riesigen Regenbogen über die Grenze spannen zu wollen. Er sollte als künstlerisches Zeichen für Frieden und Zusammengehörigkeit stehen. Damals war dieser Plan nicht umsetzbar, doch nach Öffnung der Grenze bemühte sich der „Verein Regenbogen“ um das geräumte US-Camp Point Alpha. An der Grenze platzierten die Künstler einige Skulpturen und Objekte. Der Verein erhielt sogar staatliche Förderung, scheiterte dennoch. Hauptproblem war, dass das US-Camp nicht dem Verein übertragen, sondern von 1991/92 bis Anfang 1995 als Asylbewerberunterkunft genutzt wurde. Danach sollte das Camp abgerissen, das Gelände renaturiert werden. So wollten es die damaligen hessischen Behörden. Auch die Landesregierung in Wiesbaden war strikt gegen die Erhaltung der Liegenschaft. Sie schob vor allem „Kostengründe“ vor. Dagegen regte sich besonders auf Thüringer Seite Widerstand. Erfurter Politiker, unter anderem Christine Lieberknecht (CDU) und der damalige SPD-Landesvorsitzende und späterer Minister Dr. Gerd Schuchardt  besuchten den historischen Ort, empörten sich über die Abrisspläne und setzten sich nachdrücklich für den Erhalt als Gedenkstätte ein – gegen das Vergessen. Auch Berthold Dücker, damaliger Chefredakteur der Südthüringer Zeitung, forderte im März 1994 in einem Kommentar anlässlich der Berichterstattung über die Auflösung des Regenbogen-Vereins, Point Alpha zum Grenzmuseum zu machen. Eine breite Bürgerinitiative wurde dadurch in Gang gebracht.
Die Pläne, Point Alpha als Gedenkstätte zu erhalten, stießen bei der damaligen hessischen SPD/Grünen-Landesregierung und Ministerpräsident Hans Eichel auf Ablehnung. In Thüringen unterstützten hingegen parteiübergreifend Politiker die Bürgerinitiative pro Gedenkstätte. Die Landesregierung in Erfurt stellte finanzielle Hilfe in Aussicht. Voraussetzung hierfür war jedoch die Gründung eines Trägervereins.  Am 29. Juni 1995 fand im Geisaer Rathaus die Gründungsversammlung des Vereins mit dem etwas sperrigen Namen „Grenzmuseum Rhön ‘Point Alpha’ e. V.“ statt. Sitz war die hessische Gemeinde Rasdorf, auf deren Territorium sich das US-Camp befindet. Der Verein trug den Untertitel „Mahn-, Gedenk- und Begegnungsstätte“, der das Ziel dieses ehrenamtlichen Engagements verdeutlichen sollte.
Vorstandsvorsitzender des Vereins wurde Berthold Dücker, Stellvertreter die Bürgermeister von Rasdorf und Geisa (Berthold Körbel sowie Peter Günther, später Martin Henkel). Im Vorstand arbeiten als Schriftführer Hermann Glotzbach (später Guido Wächtersbach) und als Kassierer Markus Handwerk mit. Zum erweiterten Vorstand gehörten die Landtagsabgeordneten der Region sowie stz-Redakteur Stefan Sachs als Pressesprecher.
Weil Fördermittel aus Thüringen nicht an einen Verein mit Sitz in Hessen fließen können, wurde 1997 ein zweiter Trägerverein gegründet, der „Mahn-, Gedenk- und Bildungsstätte Point Alpha e. V.“. Er hatte seinen Sitz in Geisa. Vorsitzender war der CDU-Landtagsabgeordnete Dr. Hans-Peter Häfner, Stellvertreter Berthold Dücker. Die Vorstandsmitglieder des Rasdorfer Vereins gehörten auch dem Geisaer Verein an. Gemeinsam gelang es, die Abrisspläne der hessischen Behörden zu vereiteln und das Gelände unter Denkmalschutz zu stellen. Hierbei engagierten sich unter anderem die Landtagsabgeordneten Winfried Rippert und Peter Häfner sowie Rasdorfs Bürgermeister Berthold Körbel.
Die beiden Trägervereine standen vor keiner leichten Aufgabe. Point Alpha glich 1995 einer Ruine: Dächer, Fenster und Türen der Baracken waren weitgehend zerstört, eindringendes Wasser schädigte Wände und Fußböden. Heizung und Trinkwasserversorgung waren unbrauchbar und mussten erneuert werden. Das Camp  war sowohl baulich als auch optisch in einem desolaten Zustand. Löcher im Zaun lockten Randalierer an, so dass sich die Lage zusehends verschlimmerte. Sicherungsarbeiten an Gebäuden und Umfriedung waren die ersten Aufgaben, welche die  Vereine in Angriff nahmen. Die Tore des Camps wurden von Anfang an für Besucher geöffnet. Zunehmend interessierte sich die Bevölkerung aus Ost und West und bald auch aus Amerika und anderen Ländern für das neue Grenzmuseum. Sie konnten Point Alpha  erleben, so wie es damals eben war – mit dem PKK-Graffitto in einer der Baracken, mit zerschlagenen Fenstern, eingetretenen Türen und einer verfallenen Tankstelle.
Im Jahr 1995 fand am 2. Oktober die erste Gedenkfeier statt. Diese Veranstaltung am Vorabend des Tages der Deutschen Einheit hat sich zur Tradition mit großem Besucherzuspruch entwickelt. Prominente Redner waren unter anderem Angela Merkel, die Bischöfe Johannes Dyba und Roland Hoffmann, Verteidigungsminister Franz-Josef Jung, die Berliner Politikerin Hanna-Renate Laurien, Bürgerrechtler wie Vera Lengsfeld sowie amerikanische Generäle. Vorstandschef Berthold Dücker lud immer wieder prominente Persönlichkeiten ein, um eine Lobby für Point Alpha zu schaffen. In den ersten Flyern warben die Trägervereine mit den prominenten Besuchern. Thüringens damaliger Ministerpräsident Dr. Bernhard Vogel (CDU) brach am 8. September 1995 in Rasdorf zu einer „privaten“ Rhönwanderung mit vielen politischen Freunden auf, die „zufällig“ an Point Alpha vorbeiführte. Die Führung über das Gelände, verbunden mit der Erläuterung der Vereinsziele beeindruckte den Landesvater, so dass er wohlwollende Unterstützung versprach.  Die hessische Landesregierung blieb weiterhin stur, erst ab dem Regierungswechsel zu Ministerpräsident Roland Koch (CDU) war auch Wiesbaden mit im Boot.
Die Arbeit des Vereins konzentrierte sich zunächst auf das heruntergekommene US-Camp, obwohl der größere Geländeanteil der Gedenkstätte  thüringisches Gebiet ist – ein Stück originaler „Todesstreifen“. An den Point-Alpha-Baracken wurden die Dächer repariert, kaputte Fenster ausgetauscht, eine erste Ausstellung aufgebaut, erste Sonderausstellungen organisiert.  Zu den ersten Beschlüssen des Vereinsvorstandes gehörte, zwei Denkmäler zu errichten – eines auf dem Gelände des US-Camps, das an die Verdienste der Amerikaner an der ehemaligen Grenze erinnerte. Das andere sollte direkt auf dem ehemaligen Grenzstreifen stehen, gewidmet den „Opfern der deutschen Teilung, den Mutigen der Friedlichen Revolution von 1989“ sowie „den Erbauern der Wiedervereinigung“.
Eine Geschäftsstelle mit einem über ABM beschäftigten Geschäftsführer richtete der Verein für den Museumsbetrieb ein. In Baracke B entstand im hinteren Teil eine Wohnung. Darin wohnte der Hausmeister mit seiner Familie vor Ort, um das Gelände zu schützen und in Ordnung zu halten. Immer mehr Besucher kamen, um die im Aufbau befindliche Gedenkstätte zu besichtigen.  Im thüringischen Teil  gab es bislang lediglich den Grenztruppen-Beobachtungsturm. Er steht unter Denkmalschutz, gehörte Mannesmann-Mobilfunk (heute Vodaphone) und wird von dem Unternehmen mehr schlecht als recht erhalten. Original erhalten ist auch der Kolonnenweg. 1997/98 entstand die Mustergrenze, welche abschnittweise die Errichtung des „Eisernen Vorhanges“ im Nachbau darstellt. Fragen von Schülern führten dazu, dass die Trägervereine diese Mustergrenze errichteten.
Ein buntes Technik-Sammelsurium tummelte sich in den ersten Jahren in der Fahrzeughalle auf hessischer Seite. Da standen amerikanische Panzer, Jeeps und Lastwagen neben NVA-Trabis und Motorrädern und russischer Militärtechnik. Schüler vermuteten, dass in der Zeit des Kalten Krieges beide Seiten ihre Fahrzeuge gemeinsam in dieser Halle abstellten und diese hin und wieder herausholten, um ein bisschen Konfrontation zu spielen.  Um solchem Irrglauben entgegen zu wirken, entschlossen sich die Point-Alpha-Vereine, ein Millionen-Projekt in Angriff zu nehmen: Auf thüringischer Seite entstand in den Jahren 2002/03 das „Haus auf der Grenze“, direkt auf dem ehemaligen Todesstreifen. Die Ausstellungen sind seitdem an dem jeweils authentischen Ort zu sehen, die historischen Zusammenhänge dadurch klar erkennbar. Finanziert wurde dies für den jungen Verein gewaltige Projekt über den Freistaat Thüringen mit EU-Mitteln. Anlässlich des 50. Jahrestages des Volksaufstandes in der DDR (17. Juni 1953) wurde das „Haus auf der Grenze“ am 15. Juni 2003 eröffnet. Die Dauerausstellung im Erdgeschoss zeigt unter anderem das Grenzregime der DDR mit vielen Originalrelikten, Fluchten, Zwangsaussiedlungen und geschleifte Höfe. Im Dachgeschoss entstand ein Informationszentrum des Biosphärenreservates Rhön.
Zum 17. Juni 2003 wurde nicht nur das „Haus auf der Grenze“ eingeweiht, sondern zugleich das „Kuratorium Deutsche Einheit“ ins Leben gerufen. Präsidentin ist Christine Lieberknecht, Vizepräsident Berthold Dücker und Sekretär Prof. Dr. Norbert Kleinheyer. Das Kuratorium, welchem weitere namhafte Persönlichkeiten aus ganz Deutschland angehören, machte es sich zur Aufgabe, alljährlich möglichst am 17. Juni Menschen auszuzeichnen, die sich in herausragender Weise verdient gemacht haben um die „Einheit Deutschlands und Europas in Frieden und Freiheit“.  Der „Point-Alpha-Preis“ ist hoch dotiert und mittlerweile international   angesehen. Erstmals wurde er am 17. Juni 2005 an die Staatsmänner George Bush sen., Michail Gorbatschow und Helmut Kohl verliehen. Zur öffentlichen Preisverleihung auf der Wiese neben dem „Haus auf der Grenze“ kamen damals Tausende Zuschauer. Das  Medieninteresse weltweit war riesig.  Weitere Preisträger in den folgenden Jahren waren der frühere tschechische Staatspräsident Vaclav Havel , die DDR-Bürgerrechtler,  Altbundeskanzler Helmut Schmidt sowie Spaniens früherer Ministerpräsident Felipe González.
Auf Vereinsebene mit ehrenamtlichem Vorstand war Point Alpha längst nicht mehr zu schultern, schon allein aus Haftungsgründen. Mehr als 100.000 Besucher kommen jährlich in die Gedenkstätte (2009: 130.000!), zahlreiche Veranstaltungen sind zu organisieren und der Betrieb des Grenzmuseums abzusichern. Der Gedanke, dass eine Stiftung die Trägerschaft übernehmen sollte, wurde geboren und zielstrebig verfolgt. Innerhalb eines dreiviertel Jahres  wurde die Stiftung Realität, ins Leben gerufen durch die beiden Vereine, die Länder Hessen und Thüringen, die Landkreise Fulda und Wartburgkreis, die Stadt Geisa und die Gemeinde Rasdorf.  Am 1. Januar 2008 nahm sie ihre Arbeit auf und hat ihren Sitz im Geisaer Barockschloss. Während der thüringische (kleinere) Trägerverein sich auflöste, wandelte sich der große Trägerverein in den „Förderverein Point Alpha“ um.  Vorsitzender blieb zunächst Berthold Dücker. 2009 nahm ein neues Vorstandsteam  die Arbeit auf: Raymond Walk (Vorsitzender), die Stellvertreter Andreas Kath, Wendelin Priller und Stefan Sachs, Schatzmeister Adolf Döring (unterstützt von Matthias Kehr), Schriftführerin Ilona Göb  (später Birgit Konrad) sowie Guido Wächtersbach (Arbeitsbereich Vereinsleben) und Beate Dittmar (Jugendarbeit).
Gute Ideen in die Entwicklung der Gedenkstätte einbringen, Point Alpha in der Region zu verwurzeln und die Mitglieder verstärkt einbinden, sieht der Förderverein als seine wichtigsten Aufgaben.  Der Förderverein startete bereits einige erfolgreiche Aktionen, holte beispielsweise den Radiosender hr4  zu einer Livesendung der Reihe „Mein Verein“ auf Point Alpha. Neben dem Promotion-Effekt brachten Vereinsmitglieder im Rahmen der Aktion den Kolonnenweg wieder auf Vordermann. Im Dezember 2009 organisierte der Förderverein eine Gedenkfeier anlässlich der Grenzöffnung zwischen Geisa und Rasdorf vor 20 Jahren.