Point-Alpha-Preis 2015 geht an Dr. Wolfgang Schäuble

Dr. Wolfgang Schäuble, Bundesminister der Finanzen, erhielt am 21. Juni 2015 den Point-Alpha-Preis für Verdienste um die Einheit Deutschlands und Europas in Frieden und Freiheit. Das Kuratorium Deutsche Einheit würdigte ihn als „Architekten des Einigungsvertrages von 1990 und großen Europäer“. Die feierliche Preisverleihung fand im US-Camp der Gedenkstätte Point Alpha zwischen dem hessischen Rasdorf und dem thüringischen Geisa statt.

Der Vizepräsident des Kuratoriums, Dr. Jürgen Aretz, würdigte den Einigungsvertrag, den der heutige Bundesfinanzminister und damaliger Bundesinnenminister maßgeblich mitgestaltet hatte, als politisches Meisterwerk. Gemeinsam mit seinem Verhandlungspartner auf DDR-Seite, Günter Krause, habe Schäuble ohne historisches Vorbild und unter schwierigsten innen- und außenpolitische Rahmenbedingungen die rechtlichen und politischen Grundlagen für die Deutsche Einheit gelegt. Heute wie damals seien für Schäuble Deutschland und Europa, Demokratie, Frieden und Freiheit die Leitmotive seines politischen Handelns gewesen, so Aretz.

In ihrer Laudatio würdigte Christine Lieberknecht, Präsidentin des Kuratoriums Deutsche Einheit, das politische Lebenswerk des Preisträgers. „Es war ein einziger Glücksfall, wie durch das Zusammenwirken von Volkes Willen, geführt von kluger Staatskunst und eingebettet in eine weltpolitische Lage, sich für wenige Monate nur das Fenster zur Einheit öffnete und genutzt wurde“, so Lieberknecht. Man könne nur erahnen, unter welchem immensen Druck und in welcher atemberaubend kurzen Zeit die Verhandlungen zur staatlichen Wiedervereinigung geführt wurden. Dr. Wolfgang Schäuble habe mit einem vernünftigen Pragmatismus, Professionalität und Wissen, Glaubwürdigkeit und Geradlinigkeit stets unbeirrt kluge Deutschland- und Europapolitik gestaltet. Auf der Seite der Freiheit zu stehen habe von Anfang an zu den Grundkoordinaten seines politischen Handelns gehört. Die Kuratoriumspräsidentin würdigte darüber hinaus das aktuelle politische Wirken des Bundesfinanzministers. Seine Grundsatz- und Prinzipienfestigkeit seien in der europäischen Finanzkrise und in der Auseinandersetzung um die Ukraine auch heute zum Wohle der Menschen gefragt.

Dr. Wolfgang Schäuble erinnerte in seiner Erwiderung an die drängenden Fragen des Einigungsprozesses – an die Rechtseinheit des wiedervereinigten Deutschlands auf der Basis bundesdeutschen Recht, die Transformation einer sozialistischen Planwirtschaft in eine Marktwirtschaft und die Währungsunion. Er habe vor 25 Jahren, in einem „der dichtesten und beglückendsten Jahre“ seines politischen Wirkens, das Glück erfahren dürfen, an den Verhandlungen zur Wiedervereinigung mitwirken zu dürfen. Die Überwindung der Teilung Deutschlands stand dabei stets im Kontext der Überwindung der europäischen Teilung. „Das heutige Europa ist ein Erbe der deutschen und europäischen Einigung nach 1989“, so der Preisträger. Die Fortentwicklung einer gemeinsamen Finanz- und Wirtschaftspolitik sowie die Überwindung des sich in der Ukraine-Krise erneut anbahnenden Systemkonflikts seien die wesentlichen europäischen Zukunftsfragen. Nur in einer guten institutionellen Verfassung könne Europa ein Vorbild für neue Formen der überstaatlichen Kooperation sein. Dabei erinnerte Dr. Wolfgang Schäuble auch an die notwendige Bereitschaft der Deutschen, die Bündnisverpflichtungen in der NATO zu erfüllen. Deutschland verdanke seine Einheit der Solidarität ihrer NATO-Verbündeten. Auch heute gehe es wieder um die Relevanz Europas und die Zukunft westlicher Werte in der Welt. „Damit es nie wieder Point Alphas brauche“, so der Bundesfinanzminister.

Der Point-Alpha-Preis ist mit 25.000 Euro dotiert. Die Preisverleihung wird insbesondere ermöglicht durch die Unterstützung der Landesbank Hessen-Thüringen (Helaba). Bisherige Preisträger waren Bundeskanzler a. D. Dr. Helmut Kohl, Präsident a. D. George Bush Sen., Präsident a. D. Michail Gorbatschow, Staatspräsident a. D. Václav Havel, die Bürgerrechtsbewegung der DDR, Bundeskanzler a. D. Helmut Schmidt, Ministerpräsident a. D. Felipe González und Staatspräsident a. D. Lech Wałęsa.