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Verschleppt, verurteilt, ermordet!" - Abendveranstaltung erinnerte an die Hinrichtung Manfred Smolkas vor 56 Jahren

veröffentlicht am 26.01.2016

Verschleppt! Verurteilt! Ermordet!

Mit einer emotionalen Abendveranstaltung erinnerte die Point Alpha Stiftung gestern an die Hinrichtung Manfred Smolkas vor 56 Jahren.

Bei dem Versuch, seine Familie in den Westen nachzuholen, wurde der ehemalige Offizier der DDR-Grenzpolizei an der thüringisch-bayrischen Grenze Opfer eines Verrats. Den auf westdeutschem Territorium angeschossenen Smolka verschleppte die Stasi und machte ihm in Erfurt den Prozess, der zur Abschreckung „aus erzieherischen Gründen" mit einem Todesurteil gegen den jungen Mann endete.

Eindrucksvoll schilderte der ehemalige Sprecher der Erfassungsstelle für DDR-Unrecht, Dr. Hans-Jürgen Grasemann, die juristischen Umstände des Falles, der bis in die höchsten Kreise des Politbüros diskutiert wurde. Grasemann machte bei seinen Ausführungen auch noch einmal den Charakter der DDR-Justiz deutlich, die Diebe und Betrüger kaum anders strafte als die Bundesrepublik, aber in politischen und ideologischen Fällen auch vor den niederträchtigsten Methoden und härtesten Strafen nicht zurückschreckte.

Vom Bruder des Ermordeten, Roland Smolka, erfuhren die etwa 110 anwesenden Zuhörer und Gäste an diesem Abend, wie wenig die Familie in der Zeit während des Prozesses vom Schicksal Manfreds mitbekam. Viele der Briefe, Bitten und Notizen, die Smolka während seiner Haft schrieb, wurden von der Stasi abgefangen und verließen nie die Gefängnismauer.

Besonders emotional wurde es am Schluss der Veranstaltung, als der Abschiedsbrief Smolkas an seine Familie vorgelesen wurde: Ein sich des an ihm verübten Unrechts bewusster junger Man sah seinem Schicksal entgegen und dankte seinen Angehörigen für die Zeit, die er mit Ihnen verbringen durfte. Auch dieser letzte Brief aus der Haft erreichte die Familie nicht – erst nach der Friedlichen Revolution erfuhren sie, was ihr Ehemann, Sohn, Vater und Bruder während der schrecklichen Zeit vor seiner Ermordung dachte und hoffte.

 

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