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Pressestatement der Point Alpha Stiftung zum Vorschlag eines deutsch-deutschen Schüleraustauschs

veröffentlicht am 16.01.2018

Die Forderung des Thüringer Bildungsministers und aktuellen Vorsitzenden der Kultusministerkonferenz, Helmut Holter, nach einem Ost-West-Schüleraustausch, ist grundsätzlich zu begrüßen, bedarf aber einer anderen Ausgestaltung

Geisa. Die Point Alpha Stiftung sieht den Vorstoß des Thüringer Bildungsministers und aktuellen Vorsitzenden der Kultusministerkonferenz (KMK) als Schritt in die richtige Richtung, allerdings gilt es diese Forderung nun mit Leben zu füllen und angemessen auszugestalten.

Die Point Alpha Stiftung bezweifelt, dass ein simpler Austausch von Schülerinnen und Schülern zwischen alten und neuen Bundesländern in der Frage der Auseinandersetzung mit der Aufarbeitung von DDR-Grenzregime und Unrechtsherrschaft der SED ausreichend ist. Diese Maßnahme könnte vielmehr kontraproduktiv sein und dazu führen, dass alte Denkmuster eine Restauration erleben und die „Mauer in den Köpfen“ wieder aufgebaut wird, die 29 Jahre nach der friedlichen Revolution  bei den jüngeren Generationen längst verschwunden ist.

Zur Erreichung einer nachhaltigen Aufarbeitung bedarf es flankierender Maßnahme, die von den Schulen bisher aus vielfältigen Gründen nicht durchgeführt werden. Gemeinsame Projekte von Schülerinnen und Schülern aus den alten und neuen Bundesländern, die an authentischen Orten der Teilung stattfinden, können nach Ansicht der Point Alpha Stiftung wesentlich besser zur Auseinandersetzung mit der SED-Herrschaft und zur Demokratiebildung beitragen.

Nach Erfahrungen der Point Alpha Stiftung zeigt sich, dass in den nachkommenden Generationen nach wie vor erschreckend großes Unwissen über die Diktatur der SED und über das Grenzregime der DDR herrschen und die Angebote der Gedenkstätten diesbezüglich noch nicht ausreichend genutzt werden. Dies schlägt sich vor allem darin nieder, dass nach wie vor ein großes Gefälle besteht in der Anzahl an Schülergruppen, die im Vergleich zu den Ländern der alten Bundesrepublik, aus Thüringen und den anderen neuen Bundesländern die Angebote der Lernorte nutzen. So kamen im Jahr 2017 nur 12,7% der Schülerinnen und Schüler, die die Gedenkstätte besucht haben, aus den neuen Bundesländern.

Die Point Alpha Stiftung bittet Herrn Minister Holter, dass er als Bildungsminister und aktueller Vorsitzender der KMK die Chance nutzt, um nachhaltig dafür Sorge zu tragen, die authentischen Lernorte zu stärken und wegweisende Initiativen startet, um deren Arbeit intensiver mit den Angeboten der Schulen zu verbinden und gemeinsame Projekte von Schülerinnen und Schülern aus den alten und neuen Bundesländern zu ermöglichen.

 

Die Point Alpha Stiftung ist gerne bereit und in der Lage dazu sich hier aktiv einzubringen, da Demokratiebildung und Aufarbeitung des SED-Unrechts von Anfang an zentraler Auftrag der Point Alpha Stiftung und der Point Alpha Akademie waren.

 

Für den Vorstand der Point Alpha Stiftung

 

Berthold Dücker